Ziele

Die Jungen können sich in verschiedene Perspektiven (Opfer, Beobachter, Täter) hineinversetzen


Sie setzen sich mit Petzen und der Angst vor Konsequenzen auseinander.

Jungen hinterfragen kritisch Aussagen wie „Dumme Sprüche, Witzeleien und Beleidigungen sind nur Spass“


Sie wissen über anonyme Hilfsangebote Bescheid

Sie kennen Mechanismen, weshalb Opfer keine Hilfe suchen


Lehrpersonen kommunizieren eigene und andere (auch anonyme) Hilfsangebote

Filmszenen

Zusammengefasst: Ben macht sich mit seinen beiden Freunden über Claudio lustig und provoziert ihn. Später findet sich Ben selbst in der Lage des Opfers wieder, er wird von zwei älteren Jungs angepöbelt, und es ist ihm ziemlich unwohl dabei.

Szene 1: Ben läuft mit zwei Freunden den Gang zum Schulhof hinunter. Dabei entdeckt er Claudio und damit eine Chance für Hänseleien. Er provoziert Claudio und nimmt ihm das Cap weg, dieser versucht es zurückzuholen, hat dabei aber keinen Erfolg, da die andere zu dritt das Cap einander zuwerfen. Er bleibt resigniert stehen.

Szene 2: Ben läuft mit einem seiner beiden Freunde über den Sportplatz. Plötzlich tauchen zwei ältere Jungen auf und stoppen ihn. Sie pöbeln ihn aggressiv an, und er versucht, sich aus dem Staub zu machen. Die Jungen lassen ihn jedoch nicht vorbei und provozieren ihn weiter. Er weiss nicht was tun. Man hört seine Gedanken: „Mann, warum komme ich immer so dran?“

Vorschläge zum Einsatz

Arbeit mit dem Film

Jungen reflektieren alltägliche Gewaltsituationen. Sie hinterfragen kritisch Aussagen wie „Dumme Sprüche, Witzeleien und Beleidigungen sind nur Spass“.
Lehrpersonen kommunizieren eigene und
andere (auch anonyme) Hilfsangebote.

Wie umsetzen? ca. 45 Min

10'
Halbzeit

Erste Szene anschauen und den Film stoppen.

  • Was habt ihr gesehen?
  • Wie könnte es weitergehen?

15'
Rolle des Beobachters

Zweite Szene abspielen und folgende Frage stellen:

  • Habt ihr auch schon einmal eine ähnliche Szene beobachtet?
  • Jungen berichten über beobachtete Gewaltszenen.

Variante: Zum Einstieg in die folgende Diskussion über eine eigene Beobachtungserfahrung berichten.
Anschlussfragen:

  • Wie habt ihr reagiert in diesen Situationen?
  • Wieso kann es schwierig sein zu reagieren?
  • Diskussion zu Zivilcourage und die Rolle der Beobachtenden.

15'
Gewaltbarometer

(siehe Anhang)

Nachdem alle Beispiele genannt wurden, Jugendliche auffordern, eigene Beispiele auszudenken und die Übung mit diesen Beispielen weiterführen.

  • Je nach Dauer der ersten Diskussion,
    Gewaltbarometer allenfalls weglassen

5'
Hilfsangebote

Die Lehrperson macht auf in der Schule bestehende und ausserschulische (anonyme) Hilfsangebote aufmerksam. Abschluss: Würdigung des Gesagten.

Rollenspiele

Die Jungen können sich in verschiedene Perspektiven (Opfer, Beobachter, Täter) hineinversetzen. Sie kennen Mechanismen, weshalb Opfer keine Hilfe suchen. Sie setzen sich mit Petzen und der Angst vor Konsequenzen auseinander.
Lehrpersonen kommunizieren eigene und andere (auch anonyme) Hilfsangebote.

Wie umsetzen? ca. 45 Min

30'
Perspektivenwechsel im Rollenspiel

Jungen per Zufallsprinzip in Vierergruppen einteilen. Die Gruppen wählen selbst eine Alltagsszene, in welcher Gewalt angewendet wurde oder die Lehrperson liest eine Szene vor. Die Situation wird viermal gespielt, so dass jeder Junge einmal in die Rolle des Opfers, des Täters und des Beobachters schlüpfen kann. Die vierte Person schaut dem Szenenspiel zu. Die Jungen tauschen sich über ihre
Reaktionen und Gefühle in den verschiedenen Rollen untereinander aus.

10'
Hintergrundinformationen

Input durch Lehrperson zu verschiedenen Rollen: Opfer – Täter und Beobachter (Hintergrundinformationen: siehe Anhang).

Diskussion in der Gruppe.

5'
Hilfsangebote

Die Lehrperson macht auf in der Schule bestehende und ausserschulische (anonyme) Hilfsangebote aufmerksam. Abschluss: Würdigung des Gesagten.

Gruppenarbeit

Die Mädchen können sich in verschiedene Perspektiven (Opfer, Beobachterin, Täterin) hineinversetzen.
Lehrpersonen kommunizieren eigene und andere (auch anonyme) Hilfsangebote.

Wie umsetzen? ca. 45 Min

5'
Table set – Methode

(siehe Anhang)

Je vier Mädchen einigen sich auf eine Alltagssituation, in welcher Gewalt angewendet wurde und notieren dazu ein Stichwort im Kreis. Alternativ kann die Lehrperson eine Beispielsituation
vorschlagen und in der Mitte platzieren.

15'
Phase 1

Jedes Mädchen überlegt für sich: Habe ich eine solche Situation schon einmal erlebt? Wenn ja, welche Rolle(n) hatte ich in dieser Situation? Opfer, Beobachterin oder Täterin? Gendanken im eigenen Viertel notieren.

5'
Phase 2

Drehen des Sets, bis alle Gedanken der anderen Gruppenmitglieder gelesen werden konnten.

20'
Phase 3

Diskussion zu viert zu den verschiedenen Rollen. Starten mit Beobachterrolle. Wie habe ich reagiert? Wieso habe ich dementsprechend reagiert? Wie ging es mir dabei? Hätte ich anders reagieren sollen? Wie hätte ich reagieren sollen?

Opferrolle: Wie habe ich mich gefühlt? Was
habe ich danach getan? Was hat mir geholfen? Was hätte mir geholfen?

Täterrolle: Wieso habe ich mich so verhalten? Wie habe ich mich gefühlt während und nach der Situation? Was habe ich danach gemacht? Was würde ich heute anders machen?

5'
Hilfsangebote

Die Lehrperson macht auf in der Schule bestehende und ausserschulische (anonyme) Hilfsangebote aufmerksam. Abschluss: Würdigung des Gesagten.

Faktenblatt

Das Zahlen- und Faktenblatt ergänzt den Film und die anderen Vorschläge zum Einsatz.

Die Vorderseite kann als Arbeitsblatt eingesetzt werden. Auf der Rückseite finden sich weiterführende Informationen für Lehr- und Leitungspersonen.

Download Zahlen- und Faktenblatt

Themen

Opfer sein und Männlichkeit

Jungen sind häufiger als Mädchen Opfer und Täter von Gewalt. Über Erfahrungen als Opfer sprechen Jungen (und Männer) jedoch kaum, wohl aus Scham und Angst vor zusätzlicher Stigmatisierung. „Du Opfer!“ ist zu einem Schimpfwort geworden.
Solche Erfahrungen gelten als Risikofaktoren für eine Suchtentwicklung oder andere psychische Störungen.

Empfehlungen zur Unterstützung/Stärkung

  • Wenn Sie wahrnehmen, dass ein Junge häufiger verspottet oder gar geschlagen wird, suchen Sie mit dem Jungen ein vertrauliches Gespräch. Gehen Sie dabei von Ihren Beobachtungen aus. Überlegen Sie gemeinsam, was zu tun und zu lassen ist.
  • Sprechen Sie das Thema „Opfer sein“ in der Jungengruppe an, indem Sie entsprechende Statistiken und Aussagen von Betroffenen zur Diskussion stellen.
  • Schreiten Sie ein, wenn Sie Zeuge von aggressivem oder gewalttätigem Verhalten in der Gruppe werden.

Beobachter sein

Jungen sind häufig auch Beobachter von aggressivem oder gewalttätigem Verhalten. Sie schauen weg oder entfernen sich. Trotzdem beschäftigt sie die Situation und sie fragen sich, was sie hätten tun können.

Empfehlungen zur Unterstützung/Stärkung

  • Nehmen Sie Gelegenheiten wahr, anhand derer Sie die Rolle eines Beobachters thematisieren können. Fragen Sie die Jungen nach ihren eigenen Erfahrungen.
  • Das Thema „Zivilcourage“ eignet sich gut, um darüber auszutauschen, was es braucht,
    um aus der Rolle des Beobachters herauszufinden.
  • Schreiten Sie ein, wenn Sie aggressives oder gewalttätiges Verhalten in der Gruppe beobachten.

Ein Held sein

Es gibt wohl kaum einen Jungen, der sich nicht schon einmal gewünscht hätte, ein Held zu sein.

Empfehlungen zur Unterstützung/Stärkung

  • Fragen Sie nach den Helden der Jungen Was macht es aus, dass jemand zum Helden wird? Hinterfragen Sie die Vorstellungen der Jungen ohne sie zu entwerten.
  • Tauschen Sie mit den Jungen Erfahrungen aus, in denen sie sich mutig gefühlt haben.
  • Fördern und unterstützen Sie Jungen, wenn sie prosoziales Verhalten zeigen.